Schweizer Nachtleben steht vor dem grossen Lichterlöschen

Update vom 28. Oktober: gemäss Beschluss des Bundesrats werden Clubs vorläufig geschlossen, für Bars gilt eine Sperrstunde ab 23h. Vorläufig gibt es somit kein Nachtleben mehr in der Schweiz. Erste wichtige Schritte, damit sich die Lage für Nachtlebenschaffende entspannt, wurden getan, indem die Weiterführung der Kurzarbeit und der Erwerbsersatz für Selbständige und Arbeitnehmende in arbeitgeberähnlicher Position beschlossen wurde. Nach wie vor gibt es keine Nueigkeiten betreffend einer Erhöhung und der Weiterführung der Ausfallsentschädigungen und einer einheitlichen Regelung der Mietreduktionen. 

Nach der Bekanntgabe der neuerlichen Verschärfungen der Regelungen des Bundesrats für Bars und Clubs gibt ein Lokal nach dem anderen bekannt, dass man erneut vorübergehend schliessen wird. Sitzende Konsumation der Gäste und die Aufteilungen in Sektoren mit maximal 100 Gästen sind für viele Betreiber aus räumlichen Gründen nicht umsetzbar, geschweige denn wirtschaftlich augrund der Einlassbeschränkungen auch nur ansatzweise rentabel. Dazu kommt, dass aufgrund der Entwicklung der Corona-Fallzahlen und der Maskenpflicht die Gäste ausbleiben.

Dass Massnahmen dringend notwendig sind, liegt aufgrund der aktuellen Entwicklung auf der Hand. Das Problem ist, dass klare Ansagen und die Zusicherung von Unterstützung fehlen. Dies stellt auch die Zürcher Bar- und Clubkomission fest und schreibt in ihrer gestrigen Medienmitteilung:

“Clubs und Musikbars dürfen zwar weiterhin geöffnet sein, doch da die Balance zwischen Covid-19 Schutzmassnahmen und Wirtschaftlichkeit für die grosse Mehrheit der Nachtkulturunternehmen nicht mehr gegeben ist, handelt es sich defacto um eine amtlich verordnete Schliessung.”

Und weiter:

“Die schon schwierige Situation in welcher sich die Nachtkulturunternehmen im Kanton Zürich befanden, verschlechtert sich kontinuierlich, denn nur bei einer amtlich verordneten Schliessung ist ein Härtefall gegeben. Nur dann lassen sich Verhandlungen mit Vermieter über eine Mietzinsreduktionen führen. Wir hoffen, dass es der Bund nun nicht versäumt hat, mit den Kantonen auch über die Unterstützung dieser Branche zu sprechen! Eine solche ist wichtiger denn je, nur so können Konkurse von an sich gesunden Unternehmen verhindert und somit Arbeitsplätze gesichert werden.”

Desweiteren fordern die Komission und ihre Mitglieder Zusicherungen bzw, Aufstockungen der Entschädigung für Kulturunternehmen und Härtefall-Lösungen für jene Betriebe, welche diese nicht in Anspruch nehmen durften. Dringend nötig sei auch eine nationale Lösung betreffend Mietzinsen für Geschäftsräumlichkeiten in Zusammenhang mit Covid-19 Schutzmassnahmen, welche nicht nur für die Zeit während des Lockdowns gilt, sondern auch die Phase in welcher die Wirtschaftlichkeit infolge der Schutzmassnahmen eingeschränkt ist, und politische Rahmenbedingungen dafür, dass Aussenplätze winterfest gemacht werden können.

Ihr Mitteilung schliesst die BCK mit einer ernüchternden Feststellung: “Eine nächste Exitstrategie muss auf einer gemeinsamen rollenden Planung basieren, um zu verhindern, dass die Türen der Bars und Clubs, nicht immer wieder auf und zu gehen. Leider gibt es weiterhin weder mit der Forschung noch auf der Ebene des Bundes oder dem Kanton eine wirkliche Zusammenarbeit.”

Sollte sich in diesen Punkten in den nächsten Wochen nicht Perspektiven auftun, befürchten wir von usgang.ch, dass die Türen zahlloser Clubs und Bars nicht nur immer wieder auf und zu gehen, sondern mittelfristig für immer geschlossen bleiben werden.